Ein letztes Trinklied bei Hennes an der Theke

Florian Langhoff berichtet in der Rheinischen Post von Pont neufs letztem Auftritt bei Hennes in der Gaststätte Holtbrügge (online am 20.12.2010):

Dinslaken (RP) Mit einem Trauermarsch zieht das Trio „Pont neuf“ in die Räume der Gaststätte Haus Holtbrügge ein. Die Kneipe von Wirt Johannes Hennes Holtbrügge wird zum Ende des Jahres geschlossen und so gibt es zum letzten Mal Folk am Fierten zum vierten Advent.

Aber Trübsal blasen ist deswegen nicht angesagt, stattdessen soll noch ein mal richtig gefeiert werden. Dazu braucht es die richtigen Vokabeln. Das „letzte Mal“ erklären die drei Musiker von „Pont neuf“ kurzerhand zum „hennesten Mal“. Dann fordern sie die Zuschauer auf, statt einem mitleidigen „Ohh!“ doch lieber ein freudiges „Ahh!“ hören zu lassen, wann immer der besagte Umstand erwähnt wird. Das allein sorgt schon dafür, dass niemand in traurige Stimmung verfällt.

Aber es gibt ja auch noch musikalisch etwas zu hören. Thomas Baumann, Volker Bellingröhr und Stefan Lücking spielen sich durch sieben Jahrhunderte Musikgeschichte. Das auch noch in mehreren Sprachen. Da erklingen lateinische Texte, französische Lieder und englische Songs. „Gelato al limon“ wollten die drei Musiker auch noch singen. „Aber wir dachten uns, da hier demnächst eine Pizzeria einzieht, ginge das ja gar nicht“, sagt Thomas Baumann und serviert seine deutsche Übersetzung des Liedtextes mit linguistischem Ruhrpott-Charme. „Boah, Mädchen, ey. Zitroneneis!“

Da kann man doch als Frau nur schwach werden. Und auch das Publikum bindet das Trio mit ein. Da werden Zuschauer rekrutiert, um mit Holzschuhen den Takt vorzugeben, mitzuklatschen oder das Lied “The twelve days of Christmas” mitzusingen. Beim Höhepunkt „Guantanamera“ findet sich schließlich eine ganze Rhythmusgruppe mit Rasseln, Kuhglocken und einem quietschenden Gummitier neben dem Trio ein. Als Höhepunkt gibt es dazu noch eine kleine Lesung von Lars Helmer. Der Dramaturg der Burghofbühne hat eine Geschichte über den Weihnachtsmarkt in der fiktiven Ortschaft Stenkelfeld mitgebracht.

Dieser wird, durch Beteiligung verschiedener militanter Gruppen und eines Motorrad-Clubs binnen Minuten zum Schlachtfeld. Die Zuschauer im Haus Holtbrügge kommen aus dem Lachen kaum noch heraus und Helmer erntet einen besonders kräftigen Applaus. Am Schluss heißt es dann aber doch Abschied nehmen von Haus Holtbrügge. Das Trio „Pont neuf“ schleicht sich zu Hennes hinter die Theke und spielt ein letztes Trinklied. Der Wirt zapft derweil munter weiter.